Klasse 3c der Grundschule am Gernerplatz, Puchheim (Schuljahr 2016/17)

… Rosenblau, die die Schritte zuerst gehört hatte, flüsterte ihrem Freund zu: „Da kommt jemand, es sind mehrere, das kann ich hören. Vielleicht die Räuber. Schnell, verstecken wir uns!“
Und Rußschwarzchen tat das sofort: So rasch er konnte, kroch er hinter die dichten Brombeersträucher, dabei bemerkte er, dass dahinter der Eingang zu einer tiefen Höhle verborgen war. Aber leider hatte er nicht daran gedacht, dass Rosenblau ja kein Versteck sehen konnte. Hilflos blieb sie stehen, lauschte nach allen Richtungen. Von hinten kamen die Schritte immer näher, aus der Richtung, in der zuvor der Junge gestanden hatte, war nur undeutliches Blätterrascheln zu vernehmen. Wohin sollte sie?
Rußschwarzchen spähte durch das Brombeergestrüpp und versuchte, die gefährlichen Früchte zu ignorieren. Da erblickte er drei edel gekleidete, fremde Männer, die sich näherten und dabei auf dem Boden nach etwas zu suchen schienen. Er wagte nicht mehr, sich zu bewegen.
Einer der Fremden sah nun das im Wald stehende Mädchen. Er gab seinen Kameraden einen Wink, mit wenigen langen Schritten hatten sie sie umringt. „Wer bist du? Was machst du hier?“, herrschte einer von ihnen Rosenblau an, die natürlich nicht sehen konnte, wer sie da ansprach.
Das Mädchen bekam schreckliche Angst: drei Männer standen um sie herum, mit jungen Stimmen, den geschickten Bewegungen nach flink und kräftig. Ob es die Räuber waren? Aber dann durfte sie ihnen nicht verraten, warum sie hier war. Und von Rußschwarzchen durfte sie erst recht nichts erwähnen. Hoffentlich verhielt er sich still. Fieberhaft überlegte sie, dann begann sie zu stottern: „Ich… ich, mein Name… ich bin ähhh, Maria, und ich suche … ähhh … Pilze.“
„Du brauchst keine Angst vor uns zu haben,“ meinte nun ein anderer dieser Männer viel freundlicher. „Wir tun dir nichts. Aber wir möchten dich etwas fragen. Hast du hier im Wald einen vornehmen jungen Mann gesehen? Vermutlich zu Fuß. Den suchen wir nämlich…“
‚Dann sind sie keine Räuber,‘ fuhr es Rosenblau durch den Kopf. Vielleicht andere Leute, die die Belohnung bekommen wollen.‘ Trotzdem blieb sie vorsichtig und verriet nichts. „Nein, gesehen habe ich den nicht“, gab sie wahrheitsgemäß zur Antwort. „Wer soll das denn sein?“
Die Ritter begannen, sich ein wenig mit ihr zu unterhalten. Sie erzählten von dem Prinzen, den die Räuber gefangen hatten, und dass sie ihn befreien wollten. Sie waren viele, hatten sich aber in Gruppen aufgeteilt, um den Wald besser absuchen zu können. Dass sie Ritter waren, erzählte sie natürlich nicht, denn sie glaubten ja, dass das Mädchen dies erkennen müsse. Die aber wunderte sich nur über deren vornehme Sprache.
Rußschwarzchen hatte zunächst mit großer Angst gesehen, dass seine Freundin umzingelt war. Sein Schreck war so groß, dass er sich nicht zu rühren wagte. Dann aber merkte er, dass diese Männer Rosenblau nichts taten. Was sie sprachen, konnte er nicht verstehen, und so wandte er sich um, denn er hatte ja hinter den Brombeersträuchern diesen langen Gang entdeckt. Wo mochte er hinführen? Langsam tappte er vorwärts, immer weniger Licht drang hinein, je weiter er dem Gang folgte, der in den Felsen gehauen war und langsam schräg nach unten verlief. Als es schon sehr dunkel um ihn herum war, bemerkte er, dass vor ihm irgendwie Licht sein musste. Behutsam schlich er auf Zehenspitzen weiter, schließlich erkannte er ein Feuer, das da in einer größeren Höhle angezündet war. Um das Feuer herum saßen ein paar schwarz vermummte Gestalten, so hatte er sich immer Räuber vorgestellt. Er hielt den Atem an und schlich noch ein bisschen weiter. In einer Ecke der Höhle lag auf dem Boden ein junger Mann mit sehr schönem Gewand, der war an Händen und Füßen gefesselt. Ob das ein Prinz sein konnte?
Da fiel Rußschwarzchen etwas ein: die Männer, die sich draußen mit Rosenblau unterhielten, die schauten doch auch sehr vornehm aus. Und sie hatten Waffen dabei. Das waren ja die königlichen Ritter! Bestimmt wollten sie den Prinzen befreien!
Ohne zu zögern schlich Rußschwarzchen zurück. Sobald er sich mühsam durch das Brombeerdickicht gekämpft hatte, sprach er die Riter an und bat sie um Hilfe. Als Rosenblau seine Stimme vernahm, fiel ihr ein Stein vom Herzen: Rußschwarzchen war in Sicherheit! Die Ritter aber brauchten nicht lang, um aus den bruch-stückhaften Angaben des Jungen die Situation zu erkennen. Sofort traf der Älteste von ihnen eine Entscheidung: auf schnellstem Weg wollte er zu dem Treffpunkt eilen, den alle königlichen Rittergruppen, die den Wald durchsuchten, zuvor vereinbart hatten. Wenn er alle Ritter zusammenbrachte, würden sie die Räuber bestimmt fangen können. Seine beiden Kolegen ließ er am Höhleneingang zurück, um eine Flucht der Räuber zu verhindern und die beiden Jugendlichen zu schützen.
Die meisten anderen Ritter waren inzwischen bereits bei diesem Treffpunkt angekommen. Doch leider kamen auch unegfähr zehn Räuber dorthin, die Räuber, die zuvor die schlafenden Bauern zur anderen Waldseite geschleppt hatten. Diese Räuber waren von der Anstregung, welche die schnarchenden Bauern ihnen bereitet hatten, noch ganz erschöpft. Die Ritter hingegen waren frisch und kampfbereit. Nur kurz dauerte das Gefecht, schon waren diese zehn Räuber gefangen und gefesselt. Ein Ritter bewachte sie, die anderen hasteten nun zur Höhle, um endlich den Prnzen zu befreien.
Rußschwarzchen und Rosenblau hatten mit den beiden Rittern beim Eingang gewartet. Nun schlichen alle Ritter in die Höhle, in Windeseile waren auch dort alle Räuber und die Hexe gefangen. Der Prinz wurde befreit und konnte glüklich zu seinem Vater ins Schloss zurückkehren.
Rußschwarzchen führte seine blinde Freundin ins Dorf zurück, wo die Bäuerinnen zuerst heftig mit ihnen schimpften. Aber als Rosenblau erzählte, dass es ihnen mit Hilfe der Ritter gelungen war, den Prinzen zu befreien, freuten sich alle sehr, und die Freude war noch größer, als schließlich auch die schlafenden Bauern aufgewacht und wohlbehalten zurückgekehrt waren.
Ein paar Tage später aber kam eine goldene Kutsche in das Dorf gefahren, mit ihr wurden Rosenblau und Rußschwarzchen abgeholt und zum Königsschloss gebracht. Der König hatte nämlich entschieden, dass die Ritter zwar tapfer gehandelt hatten, dass die Befreiung des Prinzen aber in erster Linie diesen beiden jungen Menschen zu verdanken war, deshalb sollten die beiden auch die Belohnung bekommen. Der Prinz überreichte ihnen einen Sack mit 1000 Talern, bedankte sich nochmal herzlich für die Hilfe, und dann fragte er Rosenblau: „Du warst so mutig und so gut zu mir. Und deine Schönheit ist mir gleich aufgefallen. Willst du denn meine Prinzessin werden?“
Das blinde Mädchen errötete, dann antwortete sie mit einem leisen Lächeln: „Diese Frage ehrt mich sehr, königliche Hoheit. Und ich finde Sie auch sehr nett. Aber heiraten kann ich Sie nicht, denn mein Freund Rußschwarzchen ist mir immer schon ganz nah am Herzen…“ Plötzlich tat sie einen überraschten Schrei und riss dabei die Augen auf: „Oh, was ist das? Alles ist so hell! Ich sehe plötzlich! Das müssen also Farben sein, von denen alle immer reden..“
Rußschwarzchen hatte wie meist mit hängendem Kopf neben ihr gestanden, aber auch er richtete sich mit einem Mal auf. Sehr gerade stand er nun da, sein Blick war konzentriert und klar. Als er zu sprechen anfing, konnte man seine Sprache und Stimme nicht wiedererkennen: „Ja, liebe Rosenblau, auch ich fühle mich plötzlich ganz anders. In meinem Kopf sind so viele klare Gedanken, das muss ein Wunder sein, oder Zauberei.“
Was war geschehen? Die Hexe hatte im Gefängnis eingesehen, dass sie und die Räuber viel Unrecht getan hatten. Und um das wenigstens ein bisschen wiedergutzumachen, hatte sie mit einem Zauberspruch die beiden jungen Menschen geheilt. Hätte sie sich mit einem anderen Zauber auch befreien können? Vielleicht schon, aber weil ihr ja klar geworden war, dass sie die Strafe wirklich verdiente, verzichtete sie fortan auf jeden bösen Zauber.
Rußschwarzchen und Rosenblau waren also wieder ganz gesund, sie kehrten glücklich mit der Belohnung ins Dorf zurück und dort heirateten sie bald. Von den 1000 Talern konnten sie und auch alle anderen armen Bauern im Dorf nun lange glücklich leben. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

© Bertram der Wanderer und Klasse 3c

Fähigkeiten

Gepostet am

18. November 2019

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