Klasse 2d der Grundschule an der St.-Konrad-Straße, Haar (Schuljahr 2016/2017)

… Die Schritte waren sehr leise, jemand kam, der wohl gewohnt war, seine Füße möglichst lautlos auf den Boden zu setzen. Aber Rosenblau mit ihren gut trainierten Ohren vernahm die Schritte trotzdem. Wer mochte das sein? „Rußschwarzchen, da kommt jemand. Ich glaube es ist nur eine Person, sie muss schon recht nahe sein, schau dich mal vorsichtig um,“ raunte sie ihrem Freund zu.
Dieser wandte sich sofort um und erblickte einen grün gekleideten, jungen Mann, einen Hut mit kurzer Krempe und langer Feder auf dem Kopf. „Da kommt einer, ganz grün angezogen, den kenne ich nicht“, gab Rußschwarzchen mit viel zu lauter Stimme zur Antwort. Aber der junge Mann hatte sie ohnehin längst bemerkt, er war ihnen sogar gefolgt. Mit elastischen Bewegungen kam er näher.
„Was will der von uns?“, rief Rußschwarzchen, man spürte die Angst in seiner Stimme. „Vielleicht ist das ein Räuber. Der darf dir nichts tun!“ Den letzten Satz sprach er mit einer Entschlossenheit, die ihm kaum jemand zugetraut hätte.
Jetzt war der Fremde bei den beiden angelangt, seine Augen blickten neugierig und vorsichtig zugleich. „Wer seid ihr? Was tut ihr hie…?“ Weiter kam er nicht, denn Rußschwarzchen zögerte keine Sekunde. Sobald der Fremde nah genug herangekommen war, nahm er mit einer flinken Bewegung Schwung, ballte gleichzeitig seine rechte Hand zur Faust und schlug zu. Das alles mit einer Kraft, Geschmeidigkeit und Präzision, die jedem Berufsboxer zur Ehre gereichen würde.
„Au!!!“ Der Fremde schrie vor Schmerz laut auf und hielt sich die Hand an die Nase. „Das hat noch keiner gewagt!“, fügte er hinzu, nachdem er sich von seiner Überraschung erholt hatte.
„Rußschwarzchen, was hast du getan?“, fragte Rosenblau sehr verunsichert. Sie hatte die Geräusche des Schlags gehört und aus den Bewegungen auch richtig geschlossen, dass ihr Freund den Fremden schlimm getroffen haben musste.
„Der darf dir nichts tun!“, wiederholte Rußschwarzchen und holte zum nächsten Schlag aus.
„Hör auf, du Dummkopf!“, erklang da die Stimme des Fremden, etwas dumpf, denn er hatte noch immer die Hand vor der Nase. Zwischen seinen Fingern fiel der erste Blutstropfen zu Boden. „Verdammt, meine Nase blutet,“ fügte er hinzu, sobald er es bemerkte. „Und ich habe kein Taschentuch.“
„Dann nimm doch das,“ murmelte Rußschwarzchen, der Verletzten immer helfen wollte. Er kramte das schöne Stofftaschentuch aus seiner Hosentasche. Das Stofftaschentuch, das mit dem Wappen des Prinzen bestickt war, und das die beiden zuvor im Wald gefunden hatten. Der Fremde griff danach und wischte sich damit das Blut aus dem Gesicht, dann stutzte er: „Wo habt ihr zwei denn dieses Taschentuch her? Das muss dem Prinzen gehören, ich erkenne es an dem eingestickten Wappen. Aber ihr zwei seid doch arm, eurer Kleidung nach zu urteilen… Deswegen wollte ich euch eigentlich helfen, aber ihr habt mich ja gleich niedergeschlagen.“
„Helfen? Das kann ich doch nicht wissen. Du bist uns nachgeschlichen. Und Rosenblau darf niemand etwas tun!“ Rußschwarzchen war sehr entscheiden. Wenn es um das blinde Mädchen ging, gab es für ihn keinen Zweifel.
„Aber ihr müsst mich doch kennen. Alle armen Leute im Land kennen mich, man nennt mich Robin Hood“, entgegenete der Grüne.
„Ach sooo“, war nun Rosenblaus schöne Stimme zu vernehmen. „Das kann ich nicht sehen, weil ich ja blind bin.“ Dann erzählte sie Robin alles, was sie wusste: von dem gefangenen Prinzen, den sie befreien wollten, von der Belohnung und den armen Bauern in ihrem Dorf.
Und Robin erklärte sich sofort bereit zu helfen. „Die Räuber müssen hier irgendwo ihr Versteck haben. Die sind mir schon lange ein Dorn im Auge, denn sie bestehlen auch die Armen. Wer den Reichen etwas klaut, ist mein Freund, aber wer den Armen Schaden zufügt, der kriegt es mit mir zu tun.“
„Mit mir auch!“, rief Rußschwarzchen mit all der Entschlossenheit dieses Tages.
„Pscht!!!“, machten Rosenbau und Robin gleichzeitig, Rußschwarzchen hielt sofort inne – genau im richtigen Augenblick. Denn genau jetzt erscholl leise und dumpf dröhnend ein langgezogener Hilferuf. Die Stimme eines jungen Mannes, sie schien aus einer Art Höhle zu kommen, genau hinter dem dichten Brombeergestrüpp, vor dem sie noch immer standen. Trotz des dumpfen Klanges erkannte Rosenblau die Stimme: „Das ist der Prinz!“, flüsterte sie, „hier muss er gefangen sein.“
„Ach, halt doch die Klappe!“ Das war eine tiefe, sehr unfreundliche Männerstimme, die ebenfalls aus der Höhle hinter den Brombeeren zu kommen schien.
„Aha, die Räuber sind also auch da“, raunte Robin den beiden Jugendlichen zu. „Dann haben wir also die Räuberhöhle entdeckt. Kommt, verstecken wir uns in dem anderen Gebüsch gegenüber und beobachten erst einmal alles.
Rußschwarzchen hätte die Räuberhöhle lieber auf der Stelle im Sturm erobert, aber er sah ein, dass Robin sich mit solchen Dingen einfach besser auskannte. Also bezogen die drei ihren Beobachtungsposten. Und das war genau die richtige Taktik.
Einige Zeit später nämlich beschlossen die Räuber, erneut auf Beutezug zu gehen. Sie hatten großen Hunger, und abzuwarten, bis für den Prinzen Lösegeld gezahlt würde, dauerte ihnen zu lange. Im Gänsemarsch krochen sie hinter den Brombeeren aus ihrer Höhle hervor, der letzte von ihnen drehte sich noch einmal um und rief in die Höhle hinein: „Also, Kumpel, pass gut auf den gefesselten Prinzen auf. Das schaffst du alleine. Wenn er wieder schreit, hau ihm was auf die Rübe! Sobald wir Beute gemacht haben, kommen wir wieder.“
„Ist gut!“, scholl es dumpf aus der Höhle zurück. „Der Prinz wird keine Schwierigkeiten machen, dafür sorge ich!“
Dieses Gespräch hörten auch Robin und seine neuen Gefährten. Und so wussten sie, dass sie die Gelegenheit nutzen mussten: jetzt bewachte nur noch ein Räuber den Prinzen. Sollten sie gegen den kämpfen? Robin Hood hatte eine bessere Idee: er war sich sicher, dass der Räuber vor Langeweile bestimmt bald einschlafen würde. Und richtig, schon wenige Minuten später drang dumpfes Schnarchen hinter den Brombeeren hervor.
Jetzt schlichen sich die drei Retter in die Höhle – und zwar das blinde Mädchen voran. Denn für sie machte es ja keinen Unterschied, dass es hier dunkel war, sie konnte sich im Dunkeln besser als alle anderen orientieren. Fast lautlos hatten sie sogleich den schnarchenden Räuber umzingelt. Mit einer raschen Bewegung packte ihn Robin, und noch ehe der sichs versah, war er schon mit dem Strick, der Robin sonst als Gürtel diente, gefesselt. Die Befreiung des Prinzen ließ natürlich auch nicht lange auf sich warten. Robin führte diesen und die beiden Jugendlichen über eine Abkürzung, die nur wenige kannten, auf dem schnellsten Weg zum Schloss, wo der König über die Rettung seines Sohnes mehr als glücklich war.
Nachdem er den Prinzen mit Freudentränen in den Augen umarmt hatte, gab der König sogleich den Rittern die nötigen Befehle: Sie sollten sofort alle Räuber im Wald verhaften und ins Gefängsnis werfen. Den gut bewaffneten königlichen Rittern gelang dies problemlos, alle Räuber und auch die Hexe wurden eingesperrt. Aber konnte diese sich nicht aus dem Gefängnis hinaushexen? Das wusste Robin zu verhindern: Man nahm ihr einfach den Zauberstab weg und verbrannte diesen, so verlor sie ihre Zauberkräfte.
Der Prinz hatte ja schon zuvor ein Auge auf das schöne Mädchen Rosenblau geworfen. Jetzt begriff er endlich, dass die Blindheit die Ursache für ihre gelegentliche Ungeschicklichkeit war. Aber egentlich war sie viel geschickter als alle anderen. Der Prinz zögerte nicht länger, sofort bat er sie, seine Frau zu werden. Und Rosenblau willigte gerne ein, aber nur unter der Bedingung, dass ihr Freund Rußschwarzchen ebenfalls im Schloss leben dürfe.
Rußschwarzchen bekam außerdem die vom König als Belohnung ausgelobten 1000 Goldtaler, auf die Rosenblau als Gemahlin des Prinzen natürlich leicht verzichten konnte. Und Robin? Der wollte nichts von dem Geld, ihm lag ja stets am Herzen, dass die Reichen den Armen etwas geben. Er wünschte sich vom König Pfeil und Bogen und ein neues Schwert. Das waren seine Wünsche für sich selbst. Für die armen Bauern im Dorf aber hatten die drei noch eine zu-sätzliche Bitte: der König solle aus dem Schloss täglich gutes Essen in das Dorf liefern lassen. Auf diese Weise ging es nun allen Menschen in jenem Land gut. Alle lebten glücklich und zufrieden, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie auch heute noch.

© 2017 Bertram der Wanderer und Kinder der Klasse 2d der GS an der St.-Konrad-Straße

Fähigkeiten

Gepostet am

18. November 2019

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